llms.txt vs. llms-full.txt: Wegweiser oder Volltext?
llms.txt ist ein kompakter, kuratierter Wegweiser. Die Datei beschreibt wichtige öffentliche Seiten und verlinkt auf die Originalquellen. llms-full.txt bündelt ausgewählte Inhalte direkt als Volltext. Diese Begleitkonvention kann bei kleiner Dokumentation praktisch sein, wird aber schnell groß und veraltet.
Die kurze Entscheidung
| Frage | llms.txt | llms-full.txt |
|---|---|---|
| Aufgabe | Orientierung und Auswahl | Gebündelter Lesekontext |
| Inhalt | Zusammenfassung und absolute Links | Ausgewählte Kerntexte inline |
| Größe | Bewusst kompakt | Token- oder byte-limitiert |
| Aktualität | Links bleiben an Originalseiten gebunden | Text kann vom Original abweichen |
| Status | Offener Formatvorschlag | Optionale Begleitkonvention |
Was in eine llms.txt gehört
Die Datei sollte ein System schnell zur richtigen Quelle führen. Eine H1 benennt die Website, eine Blockquote fasst das Angebot überprüfbar zusammen und H2-Abschnitte gruppieren Links zu Produkt, Leistungen, Dokumentation, Hilfe, Unternehmen und ausgewählten Fachinhalten. Die Beschreibungen erklären den Inhalt der Zielseite, ohne neue Tatsachen zu erfinden.
# Beispiel Software
> Plattform für Terminplanung und Teamkalender.
## Produkt
- [Funktionen](https://example.com/funktionen): Terminbuchung, Erinnerungen und Kalender.
- [Preise](https://example.com/preise): Tarife und enthaltene Leistungen.
## Dokumentation
- [Erste Schritte](https://example.com/docs/start): Einrichtung und Grundfunktionen.Diese Form bleibt auch bei größeren Websites handhabbar. Ein Agent kann zuerst die Übersicht lesen und anschließend nur die Seiten abrufen, die für die konkrete Frage nötig sind. Genau darin liegt der Nutzen der Kuratierung: nicht möglichst viele Tokens liefern, sondern die Auswahl verbessern.
Wann llms-full.txt sinnvoll sein kann
Gebündelter Volltext kann für kleine, stabile Dokumentationen, eine überschaubare FAQ oder wenige zentrale Richtlinien nützlich sein. Ein System erhält dann Kontext ohne mehrere Seitenabrufe. Das ist besonders praktisch, wenn Originalseiten viel Navigation und Boilerplate enthalten oder noch keine saubere Markdown-Ausgabe anbieten.
Die Datei sollte trotzdem nicht zum ungefilterten Website-Export werden. Sinnvoll sind ein festes Tokenbudget, klar benannte Quellen, eine nachvollziehbare Abschnittsstruktur und ein automatisierter Aktualisierungsprozess. Produktdaten, Preise oder rechtliche Angaben, die sich häufig ändern, sind riskant: Ein kopierter Volltext kann bereits veraltet sein, während die Originalseite längst korrigiert wurde.
Warum „mehr Inhalt“ nicht automatisch besser ist
Eine riesige Datei erzeugt drei Probleme. Erstens verbraucht sie Kontext für Inhalte, die bei einer konkreten Aufgabe nicht benötigt werden. Zweitens steigt die Wahrscheinlichkeit widersprüchlicher oder veralteter Aussagen. Drittens wird die Pflege unklar: Redaktionen aktualisieren die Website, vergessen aber den kopierten Volltext.
Für umfangreiche Websites ist deshalb ein hybrides Modell besser: kompakte llms.txt als Inhaltskarte, aktuelle Originalseiten als maßgebliche Quelle und – wenn technisch möglich – Markdown-Versionen einzelner Seiten. llms-full.txt bleibt dann auf wenige Inhalte begrenzt, die tatsächlich zusammen gelesen werden sollen.
Praktische Qualitätsregeln
- llms.txt nicht mit der gesamten Sitemap füllen.
- llms-full.txt mit einem festen Größen- oder Tokenlimit erzeugen.
- Jeden übernommenen Volltext einer Original-URL zuordnen.
- Preise, Verfügbarkeiten und rechtliche Angaben besonders häufig prüfen.
- Beide Dateien öffentlich erreichbar halten und nach Änderungen validieren.
- Keine vertraulichen oder zugangsbeschränkten Inhalte aufnehmen.
Welche Variante sollten Sie wählen?
Starten Sie fast immer mit llms.txt. Die Datei ist kleiner, leichter zu prüfen und zwingt zur redaktionellen Priorisierung. Ergänzen Sie llms-full.txt nur, wenn es einen konkreten Nutzungspfad für gebündelten Volltext gibt. Für eine große Produktdatenbank, einen Shop oder tausende Dokumentationsseiten ist ein Volltextexport in einer einzigen Datei selten die beste Lösung.
Beide Formate steuern weder Crawler-Zugriff noch KI-Training. Dafür ist die Abgrenzung zu robots.txt entscheidend. Ob ein bestimmtes System die Dateien abruft oder verwendet, bleibt außerhalb der Kontrolle der Website.
Formatvorschlag bei llmstxt.org
Zuerst die kompakte Datei sauber aufsetzen
Quellen crawlen, auswählen, bearbeiten und anschließend live validieren.